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Manch einer ist mit der serienmässigen Bremsanlage seines Zweirades nicht so recht zufrieden. Sei es, weil das gute Stück in die Jahre gekommen ist, weil beim Hersteller gespart wurde oder weil man sich selbst weiterentwickelt hat. Zur Lösung dieses Problems, bietet der Zubehörmarkt eine schier unüberschaubare Anzahl an schönen, feinen Teilen an. Aber was ist sinnvoll und was verschlimmbessert die Lage nur ? Es gilt zu bedenken, das jedes Motorrad eine Einheit aus einzelnen aufeinander abgestimmten Kompo- nenten ist und man hier schnell ins Klo greifen kann. Es dürfte jedem einleuchten das es wenig Sinn macht an eine streichholzdünne Gabel eine Sechskolben-Bremszange mit Wave-Bremsscheiben und Sintermetall- belägen zu schrauben. Hierdurch würde diese Einheit bedrohlich in Schieflage geraten. Es gibt aber fast immer sinnvolle Komponenten, die weder Fahrer noch Maschine überfordern und teilweise eine deutliche Verbesserung herbeiführen. Nur wollen diese mit Bedacht ausgewählt sein. Bevor man jedoch beginnt sich an einen Umbau zu wagen, sollten die vorhandenen Komponenten erst einmal geprüft und eventuell gewartet werden. Manch einer hat seine Bremse danach nicht wieder erkannt. Hierbei sollte nicht nur den Bremskomponenten sondern auch Fahrwerk und Reifen Beachtung geschenkt werden. Denn selbst die beste Bremse kann in einem miesen Fahrwerk keine Wunder vollbringen. Um euch einen Überblick zu verschaffen hier eine Übersicht der einzelnen Komponenten:
Noch eine wichtige Bemerkung vorneweg: Wer zwei linke Hände oder keine Ahnung vom schrauben hat, sollte beim Thema Bremse die Finger weg lassen und die entsprechenden Aufgaben einem Profi übergeben. Pfusch kann hier nicht nur teuer sondern auch lebens- gefährlich werden. Und das sind ein paar gesparte Euronen nicht wert.
Bremsarmatur Wichtigstes Teil der Bremsarmatur ist die Bremspumpe. An neuen Bikes wird diese meist in radialer Bauform verbaut. Diese Bauform bringt zwar keinen Gewinn in Sachen Bremsleistung, jedoch bei Bedienbarkeit und Rückmeldung. Genauso wichtig ist ein gut bedienbarer, korrekt eingestellter Bremshebel. Er ist schliesslich eure Verbindung zur Bremse. Wartung Die Lagerstellen des Bremshebels sind hohen Reibungskräften ausgesetzt und müssen daher immer gut geschmiert sein (hochdruckfestes Fett oder Kupferpaste). Ein leichtgängiger Bremshebel ist die halbe Miete. Die Bremsarmatur sollte so eingestellt sein, das die ausgestreckten Finger (auf dem Bremshebel liegend) mit dem Unterarm eine Linie bilden. Die Griffweite sollte so eingestellt sein, das Zeige- und Mittelfinger bei locker auf dem Hebel aufliegender Hand über den Hebel hinausstehen. Am besten alle Rasterpositionen mal ausprobieren um die Stellung mit dem besten Bremsgefühl herauszufinden. Tuning Wer an seinem Mopped keinen einstellbaren Bremshebel hat, oder schlicht mit der Form des Griffes nicht zurecht kommt, sollte einen Austauschbremshebel montieren. Kosten ca. 120€. Wer das feinere Bremsgefühl einer Radialbremspumpe geniessen möchte, muss ca. 300€ investieren. Bei Einscheiben- Bremsanlagen sollte der Geberkolben eine Größe von 13mm, bei Doppelscheiben, je nach deren Größe 16-19mm haben. Achtung: Bereits für den Austausch des Bremshebels ist eine ABE bzw. ein Teilegutachten für die TÜV-Eintragung nötig. Unbedingt beim Kauf darauf achten.
Bremsleitungen und Bremsflüssigkeit Nicht von ungefähr schreiben die Hersteller einen regelmässigen Austausch der Bremsleitungen und -flüssigkeit vor. Die meist verbauten Gummileitungen weiten sich mit der Zeit und es geht ein guter Teil des von der Bremspumpe aufgebauten Drucks in den Leitungen verloren. Von einem schwammigen Bremsgefühl ganz zu schweigen. Bremsflüssigkeit ist hygroskopisch (wasseranziehend). Mit der Zeit kann sich Wasser in der Bremsflüssigkeit ansammeln. Erhitzt sich nun die Bremsflüssigkeit z. B. bei eine Passabfahrt verdampft das Wasser und bildet Dampfblasen. Da Luft im Gegensatz zur Bremsflüssigkeit komprimierbar ist wird nun nicht mehr der Bremskolben von der Bremsflüssigkeit bewegt sondern einfach das Luftpolster zusammen-gedrückt. Im Extremfall kann dies zum Totalausfall der Bremse führen. Wartung Veraltete Bremsflüssigkeit ist Mangel Nr. 1 (siehe oben). Sie sollte spätestens nach zwei Jahren ausge- tauscht werden. Welcher DOT-Bremsflüssigkeitstyp eingefüllt werden muss, ist auf dem Deckel des Ausgleichsbehälters oder in der Bedienungsanleitung vermerkt. Im Zweifelsfalle den Händler fragen. Die Glykol-basierten Typen DOT 3,4 und 5.1 dürfen untereinander, keinesfalls jedoch mit dem Silikon-basierten Typ DOT 5 gemischt werden. Anschliessend muss das System gründlichst entlüftet werden. Hierzu am besten ein Entlüftungsgerät (ca. 50€, z.B. bei Polo oder Louis) verwenden. Nach dem Entlüften der Bremse muss der Druclpunkt beim betätigen der Bremse konstant bleiben. Tuning Einfachste und vor allem immer sinnvolle Tuningmassnahme sind Stahlflexbremsleitungen. Im Gegensatz zu den originalen Gummi-Bremsleitungen, die mit der Zeit porös werden und Luft eindringen lassen, bestehen diese aus einer Teflonleitung, die mit einem Stahlgewebeschlauch ummantelt ist. Durch deren Anbau entfällt nicht nur das regelmässige wechseln der Bremsleitungen (meist alle 5 Jahre) sondern sie sorgen auch für einen klareren Druckpunkt, da sie sich nicht unter Druck aufweiten können. Stahlflexleitungen sind schon ab 50€ pro Stück erhältlich. Sie sollten entweder eine ABE (kein TÜV Eintrag notwendig) oder ein Mustergut- achten dabeihaben. Für den TÜV Eintrag bei einem Mustergutachten, kann es sein, das eine Fachwerkstatt den korrekten Anbau bestätigen muss. Also vorher schlau machen. Wer zu DOT 5 Bremsflüssigkeit wechseln will (nicht hygroskopisch, deutlich Alterungsbeständiger) sollte beachten, das diese stärker komprimierbar ist als die anderen Typen (evtl. weicherer oder gar schwammiger Druckpunkt) und nur in Systeme eingefüllt werden darf, die vom Hersteller entsprechend freigegeben sind. Bremszange Die Bremszange sollte unabhängig von Ihrer Bauform möglichst stabil ausgeführt sein und sich weder unter Druck noch hohen Temperaturen verformen. Bei den meisten neuen Sportmotorrädern kommen radial verschraubte Bremszangen zum Einsatz. Dieser Zangentyp stammt ursprünglich aus dem Rennsport und bietet den grossen Vorteil die Bremse schnell an unterschiedliche Scheibendurchmesser anpassen zu können. Da die wenigsten von uns je nach Einsatzzweck ihre Bremsscheiben tauschen, sind diese Zangen eigentlich überflüssig. Sie bieten jedoch den Vorteil einer stabileren Verbindung zum Gabelholm und den Verzicht auf verwindungsanfällige Adapterplatten. Für den normalen, gerne auch sportlichen Einsatz genügen herkömmliche Festsattelbremsen jedoch völlig. Wartung Bei jedem Bremsbelagwechsel sollte die Bremszange gereinigt werden. Bremsstaub und Strassenschmutz lassen sich am einfachsten mit einer Kupfer- oder Messingbürste, viel Wasser und Spülmittel entfernen. Keine agressiven Reiniger verwenden. Um den Bremskolben zu reinigen, der keinesfalls verkratzt werden darf, empfiehlt sich ein weicher Lappen oder eine Zahnbürste. Nie den verdreckten Kolben zurück in die Zange drücken, hierdurch können die Dichtungen beschädigt werden. Bei der Sichtkontrolle (vor dem reinigen) auf feuchte Stellen achten, hier tritt Bremsflüssigkeit aus. Ob der Bremssattel dann noch repariert werden kann oder aber ausgetauscht werden muss, kann nur der Fachmann beurteilen. Tuning An den meisten Bikes sind Vierkolben-Festsättel verbaut. Eine Umrüstung auf Sechs- oder gar Achtkolben- sättel (pro Paar ca. 1000€) lohnt nur für ambitionierte Sportfahrer, Technikfreaks oder eventuell wenn ein Austausch sowieso ansteht. Die Vorteile sind in einem sehr kleinen Bereich angesiedelt. Gleiches gilt für Radialbremszangen. Hier addieren sich zum Preis der Bremssättel (ca. 600€ pro Paar) noch ca. 1000€ für neue Gabelfüsse zu deren Befestigung. Bedenkt man weiterhin, das auch die Gabel mit den dann auftre- tenden höheren Kräften klarkommen muss, lohnt sich das ganze eigentlich nur bei einem Totalumbau inkl. passender Gabel. Da ist die neue Front dann schnell mehr wert als das ganze Mopped. Keinesfalls zu empfehlen sind Sechs- oder Achtkolbenzangen mit einem einzigen Bremsbelag pro Seite. Die relativ lang bauenden Beläge können sich unter Hitzeeinwirkung relativ leicht verziehen und liegen dann nicht mehr ordentlich an der Scheibe an. Ausserdem kann sich die Bremszange durch die weite Öffnung in der Mitte auseinanderdrücken und so den Druckpunkt verwässern. Lieber zu Bremszangen mit mehreren Einzelbelägen greifen, diese sind in der Regel in der Mitte zusätzlich verschraubt um ein aufweiten zu verhindern. Bremsbeläge Man unterscheidet zwei Varianten von Bremsbelägen; Sintermetallbeläge und organische Beläge Sintermetallbeläge bestehen im wesentlichen, wie der Name schon sagt, aus Metallpulver. Sie funktionieren in heissem wie kaltem Zustand gut und sollten für den Strassenfahrer die erste Wahl sein. Organische Beläge enthalten vor allem Bindeharz und Metallpulver und sprechen weicher an als Sintermetallbeläge. Jedoch funktionieren sie bei Nässe und in kaltem Zustand deutlich schlechter. Wartung Zur Kontrolle der Belagstärke reicht ein kurzer Blick in die Bremszange. Die meisten Beläge haben eine Kerbe in der Mitte. Ist diese nicht mehr zu sehen, sollten die Beläge getauscht werden. Weitere Indizien für abgenutzte Beläge sind ein wandernder Druckpunkt, ein vergrösserter Hebelweg am Bremshebelund ein absinken des Flüssigkeitsstandes im Bremsflüssigkeitsbehälter (letzteres kann natürlich auch an einer Undichtigkeit im Systemliegen). Bremsbeläge sind relativ einfach zu wechseln. Man sollte jedoch darauf achten beim zurückdrücken des Kolbens nicht dessen Gummimanschette zu beschädigen. Um lästiger Quietscherei vorzubeugen, sollten die Beläge auf der Rückseite dünn mit Kupferpaste oder noch besser einer Paste auf keramischer Basis, bestrichen werden. Dabei darf die Paste keinesfalls auf die Belagfläche kommen. Nach dem Wechsel sind die Beläge nach Herstellervorgabe einzufahren. Achtung, die Bremsleistung kann bei den ersten Manövern noch recht bescheiden ausfallen. Tuning Der Wechsel zu anderen Belägen kann den Charakter einer Bremse vollkommen verändern. Leider in beide Richtungen. Da die Leistungsfähigkeit der Beläge stark vom entsprechenden Reibpartner, der Bremsscheibe abhängt, kann man sich eigentlich nur durch ausprobieren vorantasten oder sich nach Empfehlungen anderer Biker umhören, die das gleiche Modell fahren. Wer von organischen auf Sintermetallbeläge wechseln will, sollte vorher den Schrauber seines Vertrauens befragen. Viele ältere Anlagen sind mit den hohen entstehenden Temperaturen überfordert.
Bremsscheiben In der Regel werden heutzutage Bremsscheiben aus Chromstahl verbaut. Sie bieten den Vorteil sowohl in kaltem wie warmen Zustand ordentlich zu bremsen und rosten nicht. Sollten sie aber überhitzen, können sie sich verziehen und im Extremfall bilden sich sogar Spannungsrisse. Um dieses Risiko zu minimieren sind die Bremsscheiben heutzutage “schwimmend” ausgeführt. Sogenannte Floater zwischen Innen- und Aussen- ring sind beweglich und ermöglichen es dem Aussenring so, sich im Fahrbetrieb leichter auszudehnen oder zusammenzuziehen. Beim Rennstreckeneinsatz bevorzugt man Gussscheiben, da diese die Wärme besser ableiten können und weicher ansprechen. Jedoch ist deren Bremsleistung in kaltem Zustand sehr gering (auf einer gemütlichen Landstrassentour erreichen Gussscheiben niemals ihre Betriebstemperatur) und die Dinger rosten wie nicht was. Wartung Zeigen sich auf dem Aussenring der Bremsscheibe Flecken, hat man eine ungünstige Reibpaarung erwischt und sollte die Beläge wechseln und die Scheibe mit Bremsenreiniger gründlich reinigen. Dabei die Scheibe gleich auf Riefen überprüfen. Ein pulsierender Bremshebel beim Bremsen deutet auf eine verzogene Bremsscheibe hin. Hat die Scheibe noch genügend “Fleisch” kann man sie planen lassen, ansonsten bleibt nur der Austausch. Ist die Scheibe an Ihrer Verschleissgrenze angelangt (die entsprechenden Werte stehen meist im Handbuch) ist ebenfalls ein Austausch fällig. Tuning Seit einigen Jahren schwer angesagt sind sogenannte Wave-Bremsscheiben mit einem wellenförmigen Aussenrand. Diese stammen ursprünglich aus dem Offroadsport und sorgen dort für eine bessere Reinigung der Scheiben. Für den Strassenfahrer bleibt als Vorteil eigentlich nur die Optik. Relativ neu sind sogenannte Segment-Bremsscheiben. Hier besteht der Aussenring aus einzelnen Segmenten die sich durch die bewegliche Verbindung ebenfalls gut ausdehnen und zusammenziehen können. Die in der Moto-GP verbreiteten Kohlefaserbremsscheiben (deutlich leichter, bei Betreibstemperatur hervorragende Brems-leistung) sind für den Normalfahrer nicht zu gebrauchen, da diese ebenso wie Gussscheiben eine hohe Betriebstemperatur (200-300°C) benötigen um richtig zu funktionieren (aus diesem Grund gibt es auch keine Carbonscheiben mit Strassenzulassung). Als Alternative gibt es sogenannte Komposit-Keramikbrems- scheiben die mittlerweile mit ABE angeboten werden. Die zehn Gebote des guten Bremsens Eine vernünftige Bremsleistung lässt sich nur erreichen, wenn das gesamte Paket stimmt. Hierzu gehören auch Reifen und Fahrwerk. Bei Veränderungen an der Bremsanlage (auffällige Geräusche, wandernder Druckpunkt) oder feuchten Stellen am Bremssattel sofort auf Spurensuche gehen und Mangel beseitigen Auf nasser Strasse und heissem Asphalt besonders gefühlvoll bremsen Bei einer Notbremsung nicht das Potential der Hinterradbremse verschenken, sondern hinten kräftig mitbremsen (Hinterrad ruhig blockieren lassen). Vorne möglichst nahe an der Blockiergrenze entlang- bremsen. (ABS-Fahrer sind hier natürlich im Vorteil). Übung macht den Meister. Ruhig mal auf einem grossen Parkplatz üben oder noch besser ein Sicherheitstraining absolvieren. Die Kosten werden sogar von manchen Breufsgenossenschaften übernommen. Droht das Vorderrad zu blockieren, Bremse kurz lösen . Keine zu giftigen Bremsbeläge verwenden. Üben, üben , üben (siehe oben) Beim Training langsam steigern, nicht gleich in die vollen gehen. Auch ABS-Fahrer müssen üben. der Griff muss sitzen. Viele haben schon vor Schreck beim pulsieren des Bremshebels die Bremse geöffnet und so wichtige Meter verschenkt. Locker bleiben, wer sich verkrampft ist nicht sicher unterwegs. |
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