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Kette wechseln

Die Arbeiten werden hier anhand meiner 12er Bandit Kult beschrieben, gelten aber Grundsätzlich für alle Motorräder. Die Arbeiten können sich dann aber von den hier aufgeführten unterscheiden. Die angegebenen Werkzeuge und Drehmomente beziehen sich ebenfalls auf meine 12er Kult. Werden die Arbeiten an anderen Maschinen ausgeführt, bitte die entsprechenden Angaben des Herstellers beachten.
Ich übernehme keinerlei Haftung für die Richtigkeit der hier gemachten Angaben und eventuell entstandene Schäden.

Irgendwann ist auch die bestens gepflegte Kette am Ende und muss gegen ein Neuteil ausgetauscht werden. Diese Arbeit kann man natürlich gegen Einwurf kleiner Münzen seiner Werkstatt überlassen oder aber selber in Angriff nehmen. Je nachdem ob eine Endloskette oder ein Exemplar mit Schloss verbaut werden soll, ist aber Spezialwerkzeug nötig. Für beide Varianten gilt jedoch, das grundsätzlich das komplette Kettenkit, also Kette, Ritzel und Kettenblatt, getauscht werden sollten. Denn ist eine der Komponenten verschlissen, haben auch die anderen ihre besten Tage hinter sich.

Hat man beim Händler seines Vertrauens den neuen Kettenkit erstanden, kanns losgehen. Bei der Anschaffung sollte darauf geachtet werden, das sowohl die Anzahl der Zähne an Ritzel und Kettenrad, als auch die Dimen- sion der Kette (Abmessungen, Anzahl der Glieder) mit den Angaben im Handbuch übereinstimmen.

Benötigtes Material und Werkzeug:

- Kettenkit (Ritzel (15 Zähne), Kettenblatt (45 Zähne), Kette (530er, 110 Glieder))
- 5mm Innensechskant für die Ritzelabdeckung und den Kettenschutz
- Schlüssel SW10 für die Betätigungsstange des Schalthebels und die Kettenspanner
- passender Schlüssel für die Ritzelbefestigung
- evtl. Heissluftfön oder Gasbrenner
- neue Sicherungsscheibe für die Ritzelbefestigung
- Schlüssel SW12 für die Kettenspanner
- Schlüssel SW24 für die Achsmutter
- Plastik- oder Holzhammer
- evtl. Metallstange zum austreiben der Steckachse von Hinterrad und Schwingenachse
- Holzklotz
- Schlüssel SW17 für die Kettenblattbefestigung
- neue selbstsichernde Muttern für das Kettenblatt
- Drehmomentschlüssel
- passender Schlüssel für Befestigungsschraube der Umlenkhebel
- passender Schlüssel für Schwingenachsmutter
- Reinigungsmittel
- Lagerfett
- evtl. Gleitschiene für die Kette
- evtl. Kettentrenner
- evtl. Nietwerkzeug
- Schraubensicherungslack

1.) Motorrad auf den Hauptständer stellen

2.) Betätigungsstange des Schalthebels (SW10) lösen. Vorher ersten Gang einlegen und Position markieren.

Schalthebel

3) Schrauben der Ritzelabdeckung (5mm Innensechskant) lösen und Abdeckung entfernen. Beim abnehmen der Abdeckung auf die Kupplungsbetätigung achten und diese nicht betätigen

Ritzelabdeckung

4.) Nun von einem Helfer die Fussbremse betätigen lassen

5.) Sicherungsscheibe an der Ritzelbefestigung aufbiegen

6.) Mit einem entsprechenden Schlüssel oder der Knarre die Befestigungsmutter lösen und Ritzel demontieren

Dazu ist einiges an Kraft nötig. Also nicht wundern, wenn sich nichts tut. Normalerweise ist die Befestigungsmutter mit Schraubensicherungslack gesichert. Im Extremfall hilft nur das gezielte erwärmen der Mutter mit einem speziellen Heissluftfön oder einem kleinen Gasbrenner aus dem Baumarkt. Vorsicht Brandgefahr, Feuerlöscher bereitstellen.

7.) Kettenschutz demontieren (5mm Innensechskant)

Kettenschutz

8.) Kettenspanner (SW10 + SW12) lösen

Kettenspanner

9.) Achsmutter (SW24) lösen

Achsmutter

10.) Steckachse mit dem Plastikhammer austreiben

Gegebenenfalls eine passende Metallstange verwenden. Während dieses Vorganges das Rad am besten mit einem passenden Holzklotz unterlegen. Ist die Achse draussen, Distanzhülsen, Kettenspanner usw. in der richtigen Reihenfolge auf die Achse schieben. So ist später beim Einbau klar, welches Teil wohin gehört.

11.) Rad nach vorne schieben und Kette vom Kettenblatt nehmen

12.) Rad nach hinten aus der Schwinge rollen

Dabei auf den Bremssattel der Hinterradbremse achten. Nicht verkanten. Der Bremssattel kann etwas nach oben bewegt werden um die Prozedur zu erleichtern. Bremssattel anschliessend mit Rasterband am Rahmen fixieren und Bremsschlauch von der Schwinge lösen. Nicht die Verbindung zum Bremssattel lösen.

13.) Kettenblattmuttern lösen und Kettenblatt demontieren.

Die selbstsichernden Kettenblattmuttern sollten beim Einbau durch Neuteile ersetzt werden.

14.) Kettenradträger reinigen

Bei dieser Gelegenheit können auch gleich die Ruckdämpfer auf der Rückseite des Kettenradträgers auf Verschleiss geprüft werden.

15.) Neues Kettenrad auflegen und Schrauben über Kreuz, mit Drehmomentschlüssel (60 Nm), anziehen.

 

Hier trennen sich nun die Wege von Endloskettenmontierern und Schlossvernietern. Zuerst die Variante mit Endloskette:

1a.) Obere Befestigungsschraube der Umlenkhebel lösen und entfernen

2a.) Schwingenachsmutter lösen und Schwingenachse mit dem Plastikhammer und eventuell Metallstange austreiben

Die Lage und Position aller demontierten Teile für den Einbau merken. Im Zweifelsfall lieber eine Skizze anfertigen.

Da die Gelegenheit gerade günstig ist kann die Schwinge und deren Lagerung gleich gründlich gereinigt und anschliessend alle beweglichen Teile mit Spezialfett eingefettet werden. Die Gleitschiene für die Kette an der Schwingenoberseite auf Verschleiss prüfen und gegebenenfalls erneuern.

3a.) Kette entfernen

4a.) Neues Ritzel montieren. Auf Einbaulage achten.

5a.) Ritzelbefestigungsmutter mit Sicherungslack versehen und mit 115 Nm anziehen. Sicherungsblech und Auflegen der Kette nicht vergessen.

6a.) Neues Sicherungsblech umbiegen

7a.) Schwingenlager fetten

8a.) Schwinge und Steckachse wieder montieren. Umlenkhebel und Kette korrekt einfädeln. Mutter der Schwingenachse mit 100 Nm anziehen

9a.) Befestigungsschraube für Umlenkhebel wieder montieren und mit 78 Nm anziehen

10a.) Hinterrad in die Schwinge rollen

11a.) Kette auf Kettenblatt auflegen, Rad wieder nach hinten rollen

12a.) Radachse gut fetten und Anschliessend mitsamt Distanzstücken wieder korrekt einsetzen. Bremsanker  nicht vergessen. Radachse zunächst nur handfest anziehen

 

Jetzt die Variante mit Kettenschloss:

Da bei der Variante mit Kettenschloss der Ausbau der Schwinge entfällt, muss zunächst die alte Kette getrennt werden um sie aus der Schwinge zu bekommen. Es gibt hier natürlich die Möglichkeit dies brutal mit Hilfe einer Flex zu tun, besser ist es jedoch einen speziellen Kettentrenner zu Verwenden. Empfehlenswert ist  z. B. der Büse 691A für ca. 30€.

1b.) Also Kette auftrennen und entfernen.

2b.) Neues Ritzel montieren. Auf Einbaulage achten.

3b.) Ritzelbefestigungsmutter mit Sicherungslack versehen und mit 115 Nm anziehen. Sicherungsblech und Auflegen der Kette nicht vergessen.

4b.) Neues Sicherungsblech umbiegen

5b.) Radachse gut fetten und Anschliessend mitsamt Distanzstücken wieder korrekt einsetzen. Bremsanker nicht vergessen. Radachse zunächst nur handfest anziehen

6b.) Die offenen Enden der Kette auf dem Kettenblatt auflegen

7b.) Kettenschloss einsetzen

8b.) Rund um die beiden Bolzen die Fettfüllung aufbringen

9b.) O-Ringe aufstecken

10b.) Decklasche aufstecken

11b.) Schloss mit speziellem Nietwerkzeug vernieten (kostet ca. 100€)

Achtung !!! Je nachdem ob das Kettenschloss mit Hohl- oder Vollnieten ausgestattet ist gibt es unterschiedliche Werkzeuge zum vernieten.

 

Ab jetzt sind die Arbeitsschritte für beide Varianten wieder gleich.

16.) Ritzelabdeckung wieder montieren.

17.) Betätigungsstange des Schalthebels wieder montieren.

18.) Kettenschutz wieder montieren

19.) Kettenspannung einstellen und Kettenflucht prüfen.

20.) Nochmals alle Schraubverbindungen und Sicherungen kontrollieren.

21.) Kette schmieren

22.) Nach ca. 300km Kettenspannung erneut kontrollieren und gegebenenfalls einstellen. Neue Ketten längen sich meist zuerst etwas.

 

 

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