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Klimamembranen

Da sich in den letzten Jahren immer mehr Motorradfahrer für einen Textilanzug anstelle der klassischen Lederkombi entscheiden und diese meist mit einer Klimamembran versehen sind hier ein paar Daten und Fact`s rund um dieses Thema.

Grundsätzliches:

Häufig werben die Hersteller von Klimamembranen bzw. Textilkleidung mit dem Begriff “atmungsaktiv”. Dies sorgt bei so manchem Anwender für Verdruss, wenn er feststellen muss, das er in seinem neu erworbenen High-Tech-Textilanzug immer noch schwitzt. Dies soll und kann aber auch gar nicht verhindert werden. Die Klimamembran soll lediglich dafür sorgen, das der entstehende Schweiss vom Körper abgeführt wird und sich nicht wie sonst üblich als Stausee unter der Kleidung sammelt. Die Klimamembran wirkt hier wie eine Art Filter, der dampfförmigen Schweiss von innen nach aussen durchlässt, aber das eindringen von flüssigen Wassertröpfchen von aussen nach innen verhindert. Damit dies aber funktioniert, muss auch der Anwender seinen Teil dazu beitragen. Wer z. B. unter der Textilkleidung ein normales Baumwoll T-Shirt trägt, braucht sich nicht zu wundern, wenn der Abtransport des Schweisses nicht funktioniert.

Da die Textilbekleidung in punkto Sicherheit der klassischen Lederkombi immer noch nicht das Wasser reichen kann. Wird seit Jahren versucht auch diese durch den Einsatz von Klimamembranen “tragfähiger” zu machen. Zur Zeit ist das Angebot an solchen Kombis aber noch sehr übersichtlich und die Preise sind gesalzen. In Zukunft wird sich hier aber sicherlich einiges tun.

 

Die Technik:

Wie funktioniert solch eine Klimamembran denn nun? Trotz vieler verschiedener Handelsbezeichnungen wie z.B. Reissa, Hipora, Drystar, Polo-Tex oder Gore-Tex gibt es nur zwei Funktionsprinzipien.

1.) Die mikroporöse Membran

Der bekannteste Vertreter dieser Gattung ist sicherlich die der Firma Gore-Tex. Hier wird eine Art Folie aus Polytetrafluorethylen (PTFE oder auch Teflon) so gestreckt, das sich eine Schwammstruktur bildet. Dadurch bekommt die Folie quasi mikroskopisch kleine Poren (ca. 1,4 Milliarden pro cm²). Diese Poren sind rund 700 mal so gross wie ein Wasserdampfmolekül. So kann Schweiss nach dem verdunsten die Membran passieren. Hingegen sind die Poren aber 20000 mal kleiner als ein Wassertropfen wodurch diese am passieren der Membran gehindert werden. Da PTFE wasserabweisend ist kann die Membran sich auch nicht vollsaugen.

2.) Die porenlose Kontaktmembran

Als bekanntester Vertreter dieser Art von Klimamembran sei Sympatex genannt. Die Membran selber ist auch hier wasserabweisend, besitzt aber eine wasseranziehende Struktur. Dadurch werden beim schwitzen entstehende Wasserdampfmoleküle aufgenommen und abtransportieren. Die um ein vielfaches grösseren Wassermoleküle scheitern aber an den zu kleinen Membranzwischenräumen. Ausgangsmaterial für diese Art von Membranen sind Polyurethan (PU) oder Polyester (PE).

Beide Varianten benötigen für eine einwandfreie Funktion ein Druckgefälle zwischen Innen- und Aussenseite der Membran. Die Wasserdampfmoleküle werden in Richtung des niedrigeren Drucks durch die Membran hindurchgeleitet. Je grösser der Temperaturunterschied zwischen Körper und Umgebung ist desto besser funktioniert der Abtransport. Dadurch verschlechtert sich die Funktion natürlich bei steigenden Aussentemperaturen und kann sogar ganz zum erliegen kommen.

 

Bauformen:

Zur Zeit sind drei verschiedene Bauformen im Handel. Die einfachste ist der Z-Liner. Hier hängt die Membran lose zwischen Innen- und Aussenstoff. Deutlich aufwendiger ist das Laminat Verfahren, bei dem die Membran zwischen Innen- und Aussenstoff punktuell oder in Streifenform mit Aussenstoff und Träger- gewebe verklebt wird. Je nachdem ob das Trägergewebe für die Membran ein- oder beidseitig aufgetragen wird spricht man von Zwei- oder Drei-Lagen-Laminat. Die Zwischenform zwischen Z-Liner und Laminat- Verfahren ist der sogenannte Futterliner. Hier ist die Membran mit dem Futter verbunden.

Die drei Varianten bergen einige konstruktionsbedingte Unterschiede. Bei den Linern kann bei nachlassender Imprägnierung des Aussenmaterials Feuchtigkeit durch das Aussengewebe eindringen und diese perlt dann erst an der wasserabweisenden Membran ab. Hierdurch sammelt sich Wasser zwischen den einzelnen Lagen und die Kleidung wird schwer. Trocknet die Kleidung wieder entsteht durch Verdunsten des Wassers unangenehme Verdunstungskälte. Bei den Laminaten kann dies nicht geschehen, jedoch können bereits kleinste Beschädigungen des Aussenmaterials die darunterliegende Membran ebenso schädigen, wodurch der Feuchtigkeit Tür und Tor geöffnet sind. An heissen Sommertagen haben die Kleidungsstücke mit Futterliner den Vorteil, das sich die Klimamembran komplett entfernen lässt.

 

Checkpunkte:

Beim Kauf und beim Umgang mit Textilbekleidung mit eingearbeiteter Klimamembran gilt es einiges zu beachten. Der Kragen sollte möglichst eng anliegen und weit in den Helm hineinreichen, damit kein Wasser von oben eindringen kann. Das Material sollte so beschaffen sein, das sich keine Feuchtigkeit hineinsaugen kann (Kapillareffekt). Die Taschen sind in den wenigsten Fällen regenfest ausgeführt. Empfindliche Dinge deswegen immer unter der Textilkombi verstauen. Wassereintritt im Schrittbereich ist meist in mangelhafter Verarbeitung begründet da hier viele Nähte ordentlich abzudichten sind. Am Frontreissverschluss dringt Feuchtigkeit meist dann ein, wenn das Labyrinth nicht korrekt verschlossen wurde. Das die Ärmel über den Stulpen der Handschuhe getragen werden, versteht sich von selbst. Sonst würde das von der Jacke ablaufende Wasser die Handschuhe fluten. Deshalb auf eine ausreichende Weite der Armabschlüsse achten und am besten Jacken mit Stretch-Bündchen verwenden, da diese sich eng um die Stulpe schmiegen. Stiefel und Hose sollten möglichst weit überlappen.

 

Unterbekleidung:

Damit die Klimamembran ihre volle Wirkung entfalten kann gehört die richtige Unterbekleidung darunter. Trägt man stattdessen Jeans und Baumwoll T-Shirt darunter nehmen diese die Feuchtigkeit auf und der Abtransport kommt zum erliegen. Komfort ade. Deshalb Funktionsunterwäsche tragen die die Feuchtigkeit schnell vom Körper wegtransportiert. Für gute Funktionsunterwäsche sind Outdoor Läden eine gute Anlaufstelle. Hier gibt es ein breites Angebot für die Unterschiedlichsten Bedürfnisse und Anwendungen.

 

Pflege:

Regelmässige Pflege der Kleidung tut Not. Als erstes, am besten mit flüssigem Feinwaschmittel, in der Maschine waschen. Vorher die Protektoren entfernen. Keinesfalls Weichspüler verwenden, da er die Funktion der Membran zerstören kann. Am besten einen zusätzlichen Klarspülgang einlegen. Kleidung nur in den Trockner geben, wenn dies auf dem Pflegeetikett ausdrücklich erlaubt ist. Sonst einfach bügeln. Anschliessend mit Imprägnierspray einsprühen und Protektoren wieder einsetzen.

 

Reparatur:

Durch die Beanspruchung beim tragen oder auch einen Sturz entstehen schnell kleine Löcher in der Klima- membran. Deshalb ist das Kleidungsstück aber nicht direkt Müll. Im Outdoor oder Sportfachhandel gibt es Reparatur-Sets. So lassen sich kleinere Risse oder Löcher effektiv abdichten. Die Flicken werden aussen aufgeklebt oder direkt auf die Trägerschicht der Membran aufgebügelt. Bei grösseren Schäden bieten zumindest die bekannten Hersteller meist einen Reparaturservice an. Ob sich dies lohnt kann mit dem Fachhändler oder direkt mit dem Hersteller abgeklärt werden.

 

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