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Reifenkunde

Hinweise zur vorschriftsmässigen Bereifung:

Eintragungen im Kfz-Schein / -Brief beachten

 

Kfz-Schein

 

Es dürfen nur dort eingetragene oder durch eine Herstellerfreigabe freigegebene Reifengrössen / - typen montiert und gefahren werden.

Hinweise zur Reifen- / Fabrikatsbindung:

Ist in Feld 22 des “Fahrzeugscheins” nichts eingetragen, so gelten ausschliesslich die Angaben in den Feldern  15.1 und 15.2. Es dürfen alle Reifen der angegebenen Grösse gefahren werden (keine Fabrikatsbindung, siehe Fahrzeugschein oben)

Ist in Feld 22 ein Reifentyp eingetragen, so darf nur dieser, in den in den Feldern 15.1 und 15.2 angegebenen Grössen, gefahren werden. Ausser es gibt vom Hersteller des Reifens oder des Motorrades eine entsprechende Freigabe für andere Typen (siehe unten). Diese muss dann ständig mitgeführt werden.

Ist in Feld 22 die Bemerkung “Reifenbindung gemäss Betriebserlaubnis beachten” eingetragen, so existiert für dieses Motorrad eine Reifenbindung. Welche Typen dies sind, kann beim Motorrad-Hersteller oder Vertragshändler erfragt werden. Ansonsten gilt das gleiche wie im vorigen Absatz.

Leider wurde bei einigen Zulassungsstellen obige Bemerkung standardmässig eingetragen, obwohl für das entsprechende Fahrzeug gar keine Reifenbindung besteht. In einem solchen Falle am besten mit dem alten Fahrzeugbrief zur Zulassungsstelle gehen und eine kostenlose Korrektur verlangen.

 

Reifenfreigabe

 

Die Verwendung von Reifen einer höheren Geschwindigkeitsklasse als vorgeschrieben ist zulässig, sofern keine Fabrikatsbindung besteht.

Eine Kombination unterschiedlicher Reifenfabrikate ist, sofern keine Fabrikats- oder Herstellerbindung besteht, zulässig, jedoch nicht zu empfehlen.

Unterschiedliche Reifenprofile können miteinander kombiniert werden. Siehe hierzu die entsprechenden Herstellerfreigaben.

 

Reifenlexikon:

Auswuchten:

Das auswuchten der Reifen solltet ihr eurem Reifen- / Motorradhändler überlassen, der über die dafür nötige Ausrüstung und das entsprechende Wissen verfügt. Das Auswuchten ist unverzichtbar, um ungleichen Verschleiss am Reifen und Schäden an der Radaufhängung zu vermeiden und den Fahrkomfort zu gewährleisten.

 

Bremsplatten:

Bremsplatten entstehen durch Blockierbremsungen. Bei entsprechend hoher Ausgangsgeschwindigkeit "radieren" die Reifen dabei so heftig über die Fahrbahn, dass sie an der Blockierstelle unter grosser Hitzeentwicklung lokal abgeschliffen werden. In der Regel “schlagen” die Reifen danach so stark, dass sie ausgetauscht werden müssen.

 

ECE-Zulassungsnummer:

In den Ländern der EU dürfen nur Reifen mit einer ECE-Zulassungsnummer montiert und gefahren werden.

 

Einfahren:

Neue Reifen haben auf Grund des Produktionsprozesses eine glatte Oberfläche, die auf den ersten 50 - 100km behutsam aufgerauht werden muss um eine optimale Haftung aufzubauen. Vorsicht beim bremsen und beschleunigen, sowie bei grösserer Schräglage. Rutschgefahr !!! Ausserdem sollten die Reifenaufkleber möglichst vollständig entfernt werden.

Da jeder Reifen zur optimalen Haftung erst seine Betriebstemperatur erreichen muss, sollten Reifen bei jedem Fahrtantritt warmgefahren werden. Achtung nach Pausen, Reifen kühlen sehr schnell wieder ab.

 

Felgen:

Bei den meisten aktuellen Motorrädern kommen Schlauchlosreifen zum Einsatz (Ausnahme Endurobereich), die spezielle Felgen (MT H2 - Felge) benötigen und nur auf diesen gefahren werden dürfen. Gleiches gilt natürlich für Reifen die einen Schlauch benötigen, auch diese dürfen nur auf den entsprechenden Felgen (WM-Felge) gefahren werden. Ausserdem ist die vom Hersteller angegebene Felgenbreite für den jeweiligen Reifen zwingend einzuhalten.

 

Freigängigkeit:

Ein ausreichend grosser Abstand des Reifens zu Fahrzeugteilen (Schwinge, Fender, Kette, usw.) muss in allen Fahrzuständen (Bremsen, Einfedern) garantiert sein. Ansonsten kann es zu gefährlichen Reifenschäden oder schweren Stürzen kommen.

 

Geschwindigkeitssymbol:

Die zulässige Höchstgeschwindigkeit des Reifens wird durch das Geschwindigkeitssymbol in der auf der Reifenflanke aufgeprägten Reifenkennung angegeben. z. B. 180/55ZR17 73W

Geschwindigkeitssymbol

B

J

K

L

M

N

P

Q

R

S

T

U

H

V

Z

W

(W)

Geschwindigkeit in km/h

50

100

110

120

130

140

150

160

170

180

190

200

210

240

>240

270

>270

 

 

Grip (Haftung):

Als Grip bezeichnet man die Fähigkeit einer Laufflächen-Gummimischung, sich möglichst intensiv mit der Strasse zu verbinden. Haftung bei Nässe wird durch eine ausgefeilte Lamellentechnik  und spezielle Gummimischungen erreicht.

 

Karkasse:

Karkasse nennt man die Grundkonstruktion eines Reifens. Die Karkasse ist der entscheidende Festigkeits- träger eines Reifens und wird durch Gürtel und Lauffläche komplettiert. In der Regel bestehen Karkassen aus gummiummantelten Textilseilen, hergestellt aus Kunstfasern wie Rayon oder Nylon.

 

Lagerung:

Reifen sollten kühl, trocken, dunkel und auf der Seite liegend oder auf einer Felge frei hängend gelagert werden.

 

Laufleistung:

Die Laufleistung von Motorradreifen reicht bei weitem nicht an die von z. B. PKW-Reifen heran. Dies liegt neben weicherer Gummimischungen vor allem am geringen Eigengewicht von Motorrädern, das starke Beschleunigungen zulässt. Beim Beschleunigen aber entsteht Schlupf (durchdrehen des Reifens) der den Reifen stark abnutzt. “Flott” gefahrene Reifen halten also weniger lang. Ein Beispiel hierfür ist z. B. Suzukis Hayabusa. Bei sehr hohen Geschwindigkeiten (>250km/h) ist hier ein permanenter, wenn auch sehr geringer, Schlupf vorhanden, der Reifen dreht also permanent durch. Die erreichbare Laufleistung eines modernen Motorradreifens liegt je nach Gummimischung und Beanspruchung zwischen ca. 2000 und 12000km.

 

Laufrichtungpfeil:

Viele moderne Reifen sind mit einem Laufrichtungspfeil gekennzeichnet und dürfen nur in der entsprechenden Drehrichtung montiert werden. Sonst kann es zu dramatischer Verschlechterung der Fahreigenschaften oder zu Reifenschäden kommen.

 

Lenkpräzision:

Darunter versteht man die Fähigkeit eines Reifens, möglichst exakt in eine Kurve ein- und auszulenken sowie das Fahrverhalten im Kurvenverlauf selbst. Hochleistungsreifen (Y, ZR) sind in der Regel besonders lenkpräzise.

Luftdruck:

Der vom Fahrzeughersteller bzw. Reifenhersteller angegebene Luftdruck ist möglichst genau einzuhalten. Gerade Motorräder reagieren schon auf kleinste Abweichungen sehr empfindlich. Ein falscher Luftdruck kann zu einer Verschlechterung der Fahreigenschaften, verstärktem Verschleiss oder sogar zu Reifenschäden führen. Da die Hersteller meist Luftdrücke für verschiedene Beladungszustände angeben, aber kaum jemand dies beachtet, sollte der Luftdruck auf den Wert für volle Beladung eingestellt werden. Dadurch geht zwar etwas an Komfort verloren, aber man gewinnt an Sicherheit.

Die Luftdruckkontrolle sollte immer bei kaltem Reifen stattfinden, da sich der Reifen während der Fahrt erwärmt und der Luftdruck ansteigt. Würde die Kontrolle bei warmem Reifen durchgeführt wäre nach dem abkühlen zu wenig Luft im Reifen.

 

Profiltiefe:

Die gesetzlich in Deutschland vorgeschriebene Mindestprofiltiefe beträgt 1,6mm über die gesamte Lauffläche (also nicht nur am Rand). Da abgefahrene Reifen das Fahrverhalten negativ beeinflussen sollte spätestens bei 2mm Restprofiltiefe der Reifen gewechselt werden.

 

Prüfstände:

Da Reifen auf den Prüfstandsrollen extrem thermisch belastet werden, sollten sie nach dem Prüfstandslauf nicht weiterverwendet werden.

 

Reifenalter:

Das Produktionsdatum eines Reifens ist auf der Reifenflanke hinter dem Schriftzug DOT eingeprägt. Dabei stehen bei nach 1999 gefertigten Reifen, die letzten vier Ziffern für Produktionswoche und Produktionsjahr. Beispiel: Ein Reifen mit dem Aufdruck DOTxxxxxx4203 wurde in der Kalenderwoche 42 des Jahres 2003 hergestellt. Reifen, die beim Kauf älter als zwei Jahre sind, solltet ihr nicht akzeptieren. Reifen die älter als zehn Jahre sind sollten nicht mehr verwendet werden, da die sogenannten “Weichmacher”aus der Gummi- mischung mit der Zeit austreten und der Reifen versprödet.

 

Reifenbauarten:

Diagonalreifen sind die Klassiker unter den Reifen und werden heutzutage hauptsächlich noch im Geländeeinsatz verwenden, weil sie einen höheren Durchschlagschutz bieten als z. B. Radialreifen. Der Name rührt daher, das die Karkasse (Unterbau des Reifens) diagonal zur Lauffläche aufgebaut ist.

Gürtelreifen sind die Vorstufe zum modernen Radialreifen. Die Karkasse ist zwar auch hier noch diagonal zur Lauffläche aufgebaut, darüber liegt jedoch ein sogenannter Gürtel. Gürtelreifen sind an dem Buchstaben B in der Reifengrössenkennzeichnung zu erkennen. Z. B. 130/70B17

Radialreifen weisen einen Karkasswinkel von ca. 90° zur Fahrtrichtung und einen Gürtelwinkel von 0-25° auf. Der unter der Lauffläche liegende Gürtel stabilisiert den Reifen und verformt sich unter Fliehkrafteinwirkung geringer. Dadurch sind höhere Geschwindigkeiten möglich. Ein Diagonalreifen “wächst” durch die Fliehkräfte bei z. B. 210km/h um bis zu 2cm im Durchmesser, während sich ein moderner Radialreifen nur um wenige mm “aufbläst”. Radialreifen sind an dem Buchstaben R in der Reifengrössenkennzeichnung zu erkennen. Z. B. 180/55R17

 

Reifenkennung:

Die auf der Reifenflanke eingeprägte Reifenkennung gibt Aufschluss über:

die Reifennennbreite in mm

das Querschnittsverhältnis Höhe zu Breite, im Beispiel 55% von 180mm = 99mm

die zugelassene Höchstgeschwindigkeit, siehe Geschwindigkeitssymbol

die Reifenbauart, siehe Reifenbauarten

den Felgendurchmesser in Zoll

-  die Traglast, siehe Traglast

Beispiel: 180/55ZR17 73W

 

Reifenwahl:

Bei der Reifenwahl sind die entsprechenden gesetzlichen Vorschriften bzw. Freigaben zu beachten. Ansonsten sind Einsatzzweck des Fahrzeugs und z. B. gewünschte Laufleistung Kriterien zur Reifenwahl.

 

Reifenreparatur:

Die Reparatur von beschädigten Motorradreifen ist verboten. Auch sollten in einen Schlauchlosreifen keine Schläuche zum abdichten eingezogen werden. Reifenreparatursprays sind nur in Ausnahmefällen für die langsame Fahrt zur Werkstatt vorgesehen. Unbedingt die entsprechenden Herstellerhinweise beachten. Ansonsten den beschädigten Reifen schnellstmöglich erneuern. Pfusch ist hier lebensgefährlich.

 

Rollwiderstand:

Nennt man die Kraft, die ein rollender Reifen dem Vortrieb entgegensetzt. Dieser Widerstand entsteht vor allem durch die "Walkarbeit" des Reifens, d.h. durch seine Verformung beim Durchlaufen der Bodenauf- standsfläche. Bis etwa 100 km/h ist der Rollwiderstand grösser als der Luftwiderstand des Fahrzeugs!

 

Schlupf:

Schlupf ist der Unterschied zwischen dem geometrischen Radumfang und der tatsächlich zurückgelegten Strecke bei einer Radumdrehung. 100% Schlupf liegt vor, wenn die Räder durchdrehen oder blockieren. Je grösser also die Antriebs- oder Bremskräfte, desto grösser der Schlupf. Auch wenn man es nicht bemerkt: Ein geringes Mass an Schlupf ist beim Fahren immer vorhanden - daher der Reifenverschleiss!

 

Sicherheitstips:

-  Vorgeschriebenen Mindestluftdruck einhalten

-  Luftdruck regelmässig prüfen

-  Maximale Tragfähigkeit nicht überschreiten

-  Stoßbeanspruchung vermeiden (z. B. Bordsteinkanten)

-  Reifen und Felge regelmässig auf Schäden überprüfen

-  Mindestprofiltiefe 2mm

-  Nur vorgeschriebene Reifen montieren

-  Auf einheitliche Bereifung achten

-  Ventil durch Kappe, möglichst aus Metall, schützen

-  Nur vorgeschriebene oder freigegebene Felgen in einwandfreiem Zustand verwenden

-  Reifenmontage vom Fachmann durchführen lassen

 

Traglast:

Achtet darauf, die zulässige Achslast (Fahrzeugpapiere), sowie die Tragfähigkeit der Reifen (gemäss Reifenkennung) auf keinen Fall zu überschreiten.

Die maximal zulässige Traglast eines Reifens ist in der auf der Reifenflanke eingeprägten Reifenkennung als sogenannter Lastenindex LI angegeben. Z. B. 180/55ZR17 73W, hier also 365kg

 

LI

kg

LI

kg

LI

kg

LI

kg

LI

kg

19

77,5

36

125,0

53

206,0

70

335,0

87

545,0

20

80,0

37

128,0

54

212,0

71

345,0

88

560,0

21

82,5

38

132,0

55

218,0

72

355,0

89

580,0

22

85,0

39

136,0

56

224,0

73

365,0

90

600,0

23

87,5

40

140,0

57

230,0

74

375,0

91

615,0

24

90,0

41

145,0

58

236,0

75

387,0

92

630,0

25

92,5

42

150,0

59

243,0

76

400,0

93

650,0

26

95,0

43

155,0

60

250,0

77

412,0

94

670,0

27

97,5

44

160,0

61

257,0

78

425,0

95

690,0

28

100,0

45

165,0

62

265,0

79

437,0

96

710,0

29

103,0

46

170,0

63

272,0

80

450,0

97

730,0

30

106,0

47

175,0

64

280,0

81

462,0

98

750,0

31

109,0

48

180,0

65

290,0

82

475,0

99

775,0

32

112,0

49

185,0

66

300,0

83

487,0

100

800,0

33

115,0

50

190,0

67

307,0

84

500,0

 

 

34

118,0

51

195,0

68

315,0

85

515,0

 

 

35

121,0

52

200,0

69

325,0

86

530,0

 

 

Beispiel für den Zusammenhang von Höchstgeschwindigkeit und Tragfähigkeit:

Ein Motorrollereifen mit der Kennzeichnung 3.50-10 59J hat eine Tragfähigkeit von 243,0kg bei einer Höchstgeschwindigkeit von 100km/h und einem Luftdruck von 3.25bar. Bei einer Höchstgeschwindigkeit von 140km/h und maximalem Luftdruck, sinkt die Tragfähigkeit auf 170kg/LI46 (70%),während sie bei einer Höchstgeschwindigkeit von 50km/h auf 315kg/LI68 (130%) steigt.

Höchstgeschwindigkeit in km/h

50

60

70

80

90

100

110

120

130

140

zulässigeTragfähigkeit in % der Nenntragfähigkeit entspricht dem Lastindex für das Geschwindigkeits- symbol J (100km/h)

130

123

116

110

105

100

93

85

75

70

Ventilkappe:

Die Ventilkappe muss während der Fahrt immer aufgeschraubt und mit einem Dichtring versehen sein. Die Ventilkappe schützt vor Luftverlust auf Grund der Fliehkräfte bei hohen Geschwindigkeiten und Ventildefekten, sowie vor dem eindringen von Schmutz ins Ventil.

 

Vibrationen:

Vibrationen im Lenker, bzw. der gesamten Frontpartie, stammen in der Regel von schlecht ausgewuchteten Reifen. Aber auch durch ein fehlerhaftes bzw. abgefallenes Auswuchtgewicht oder durch einen nach einer Gewaltbremsung entstandenen Bremsplatten können diese ausgelöst werden. Hier ist der Fachmann gefragt.

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